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Cover  
Darkthrone - A Blaze In The Northern Sky (CD)
Label: Peaceville Records
VÖ: 1992
Homepage | MySpace
Art: Classic
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RedStar
RedStar
(243 Reviews)
Die Darkthrone jener Pioniertage der zweiten Black Metal-Welle verstanden sich als Antithese zum Thrash Metal (mit oftmals sozialkritsichen Themeninhalten) oder dem Death Metal, der damals den Markt überschwemmte. Da alles Essentielle in diesen Genres bereits gesagt war, folgten die Norweger auf der Suche nach dem Neuen und Bösen instinktiv dem Ruf der bislang im Metalgenre angedeuteten und gezeigten kranken, abartigen Morbidität, die ja vor allem von den unzweifelhaft großen Vorbildern Hellhammer/Celtic Frost bereits in den 1980ern praktiziert wurde.

Diese (damals fast schon anachronistisch anmutenden) Genrewurzeln paarten die norwegischen Rabauken mit diversen Versatzstücken aus der Musikwelt (z.B. die Härte und die übersteuert-thrashigen Gitarrensounds a la Sodom, Destruction oder Venom), reicherten das Black Metal – Gesamtpaket mit gewissen eskapistisch-spirituellen (a la Mercyful Fate), natur- und heimatverbundenen, nordisch-traditionellen Aspekten (a la Bathory, Norwegen hat schließlich erst seit Beginn des 19 Jhd. seine eigene nationale Identität) an und übersetzten diese Trademarks unter Verzicht auf die bereits aus dem Death Metal bekannten Abartigkeiten (Blut, Gore, Brutalität etc.) oder den plakativen Pseudo-Satanismus (a la Venom oder Possessed) ins neue Jahrzehnt.

Diese Ideen und Prinzipien wurden mit brutaler Härte und gnadenloser Zielstrebigkeit weitergeführt und in einer damals exemplarischen Einheit von Cover, Artwork, Musik, Attitüde und Lifestyle als gleichsam zwingende (sowie im Nachhinein auch logische) Konsequenz zum seinerzeit ultimativen schwarzen Brocken namens "A Blaze In The Northern Sky" verdichtet. Weil das Album mehr oder weniger eingerumpelt wurde und die technischen Fähigkeiten der Youngsters eher bescheiden waren, versuchten Darkthrone diese Mankos durch übertriebene Ernsthaftigkeit zu kompensieren und gewissermaßen erwachsen zu agieren.

Darkthrone waren aber trotzdem nicht die eigentlichen Initiatoren des skandinavischen Black Metal – Wahns der 1990er-Jahre, hatten doch ihre Landsmänner Mayhem (deren später von Kristian „Varg“ Vikernes ermorderte Mainman Euronymus ein wichtiger Einfluß für Darkthrone war) schon 1987 ihre tiefschwarze Klasse auf "Deathcrush" aufblitzen lassen. Zählte das DT-Debutalbum "Soulside Journey" (1991) noch zum Death Metal-Genre, so wagte man einen radikalen Schnitt und enterte (wahrscheinlich nicht zufällig) das Studio, in dem seinerzeit die "Deathcrush"-EP entstand. Die Horde des Chaos erfand sich neu ... und feierte ihre Wiedergeburt als die Fürsten des Dunklen, des Eiskalten und Abstößigen. Die Norweger erhoben sich aus dem symbolisch niedergebrannten Death Metal gleichsam wie ein pechschwarzer Phönix.

Es köchelte, gärte und knisterte im (weltweiten) Untergrund in der Endzeit des letzten Jahrtausends (z.B. Blasphemy, Beherit etc.), in jener grauen Vorzeit der ersten „richtigen“ (aber nach den Originatoren Bathory, Hellhammer etc. auch zweiten) Black Metal – Welle, neben Darkthrone schlugen 1992 vor allem die Debutalben ihrer norwegischen Landsmänner Burzum und Immortal so richtig ein.

Bösartiger als ein ganzer Sadistenclub, finsterer als ein dunkel-düsterer Wald im eiskalten Mondschein, abgründiger als die Höllenschlucht, widerwärtiger als eine Fäkalgrube und zorniger, verzweifelter und hasserfüllter als jemand, dem ein geliebter Mensch mitten aus dem Leben entrissen wurde, machten sich die Jungspunde, angepisst vom behüteten Leben im sozial abgesicherten Skandinavien und sich bewusst von allen Konventionen und Normen abgrenzend, ans Werk, den schwarzen Giftstachel im zartrosa Fleisch des gesellschaftlichen Establishments zu platzieren. Im Sinne von Bathory, Hellhammer/Celtic Frost oder auch Mayhem trümmerten die Herrschaften (Gitarrist Zephyrous und quasi-nur-Session-Basser Dag Nilsen) um den heutigen Darkthrone-Kern Gylve „Fenriz“ Nagell (d) und Ted „Nocturno Culto“ Skjellum (v,g) dieses rohe Stück Fleisch ein, welches das Peaceville-Label lt. Fenriz zuerst gar nicht veröffentlichen wollte.



Nach dem Ende des gespenstisch anmutenden Intros (erinnert ein wenig an die Vampirsprache im Film 30 Days of Night) zu "Kathaarian Life Code" "Face of the goat in the mirror, we've become a race of the cursed seeds, I entered the soul of the snake, we are a blaze in the Northern sky" bricht umgehend die musikalische Hölle über den Hörer herein. Sofort wird klar, dass hier der rumpelnde Hass und die akustische Pein unter bewusstem Verzicht auf moderne Studiotechnik, druckvolle Produktion, deathmetal-typisch tiefer gestimmte Gitarren und Grunzgesang verbreitet wird. Die Drums poltern und scheppern, dass man den Eindruck haben muss, dass das spärliche Billig-Drumkit jeden Moment auseinander zu rumpeln droht. Besonders reizvoll (wie ja auch bei Burzum) sind die flirrenden, verzerrt-übersteuerten Gitarren, die in ihrem monotonen Sägemodus den dicksten Schädelknochen zu knacken vermögen und das hypnotisch-manische, bienenstockartige Gesumme inmitten der sehr höhenlastigen Produktion gleichsam zum Stilmittel erheben.

Die akustischen Oden an die Dunkelheit und Schwärze werden zumeist getragen, fast hymnisch vorgetragen, doch dieses gemächliche, effektiv zermürbende Tempo wird gezielt durch schnelles Gebretter aufgelockert. Dieser abwechselnde Modus aus beständigem Sägen und effektivem Gehacke vermag alles zu zerstören, gleichzeitig bietet das Album trotz relativ enger stilistischer Grenzen ein Höchstmaß an Abwechslung und Kreativität. Sowohl das kalte Songmaterial, als auch die weitgehend unbearbeitete Produktion muten für den unbedarften Hörer chaotisch an. Nicht zuletzt das heiser-hysterische Gekreische und kehlige Gekrächze mit mächtig viel Hall-Effekt trägt trotz ganz vereinzelter groovig/rock n´ rollig anmutender Einsprengsel ("In The Shadows Of The Thorns") zu dieser damals weitgehend einzigartigen Atmosphäre der Räude und Rohheit bei. Dass Darkthrone schon damals punkig zu Werke gingen, macht dieses Album ebenfalls deutlich.

Was auch immer genau beim Einspielen und Produzieren dieses primitiv-rohen Albums passierte, welcher Billigverstärker, Walkmankopfhörer oder welches Kindermikrofon verwendet wurde, um ja nicht nach High-Class-Produktion zu stinken … der Höllenfürst persönlich hat es zugelassen und diesem rabiaten Götterwerk die Absolution erteilt.

Sowohl das pechige Vinyl als auch Albumcover wecken Erinnerungen an eine dunkelschwarze, klirrend-kalte Dezembernacht oder einen beängstigend tiefen Ozean. Der weiß bepinselte Geselle, der der beklemmenden Schwärze des Albumcovers entspringt, ist übrigens der damalige Gitarrist Zephyrous, der die Band nach "Under A Funeral Moon" verließ. Auch dieses schlichte Design und die Verwendung einer Fotografie darf als bewusster Kontrapunkt zu den oftmals quietschbunten, meist gemalten Death Metal-Covers gesehen werden.

"A Blaze In The Northern Sky" atmet mit jeder Minute Spielzeit puren Nihilismus, Misanthropie und Negation, das Album stinkt aus jeder einzelnen Pore nach Ablehnung, Qual und Eskapismus. Auf der Suche nach mehr Tiefe und Ernsthaftigkeit trümmerten die 4 Norweger ein schwarzes Meisterwerk zusammen, ein Hassklumpen, der nicht nur ein ganzes, nicht irrelevantes Musikgenre maßgeblich mitprägte, sondern auch 20 Jahre später immer noch die gleiche negative Magie entfaltet wie seinerzeit, den Hörer mit dumpfer Dunkelheit umhüllt und nichts von seiner schwarzen Strahlkraft eingebüßt hat.

Wenngleich sich das BM-Genre stetig weiterentwickelte und die (vornehmlich skandinavischen) Kohorten des Bösen noch einige schaudrig-schöne und abartig–widerwärtige, teils besser, teils undergorundiger produzierte Black Metal-Perlen hervorbrachten, entfaltet dieses Kick–Off–Album für die eigentliche Black Metal–Bewegung der 90er des vergangenen Jahrtausends auch heute noch die gleiche abartige, kranke Atmosphäre, die einen in jenen dunklen Tagen in beklemmender Weise umfing. Wenngleich das Album nach Erscheinen meist belächelt wurde, so war trotzdem bald offenkundig, dass hier – vor allem in Norwegen - etwas Besonderes, Anderes wuchs und brodelte, ja bald unter großem Druck explodierte, der Kult war geboren!

Dieser Wutbatzen ist für die meisten Genrefans das ultimative und genreprägende Black Metal Album, bildet den Auftakt zur legendären Alben-Trilogie mit "Under a Funeral Moon" und "Transilvanian Hunger", ist aber leider auch einen Teil des Soundtracks für den Sturm, der kurz darauf über Norwegen hereinbrechen sollte, als das Land im Zuge von diversen, auf´s Schärfste zu verurteilenden Straftaten in Atem gehalten wurde. Dass Darkthrone auch in der zweiten Dekade des neuen Milleniums noch immer in der ersten Liga spielen, ist der Fähigkeit der Band zu verdanken, sich innerhalb der eigenen Grenzen weiterzuentwickeln und ihren punkigen Black zur Perfektion zu führen.


Trackliste
  1. Kathaarian Life Code
  2. In The Shadow Of The Horns
  3. Paragon Belial
  1. Where Cold Winds Blow
  2. A Blaze In The Northern Sky
  3. The Pagan Winter
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