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Tiamat, Stoneman
05.12.2010, Hafen, Innsbruck 
 
Tiamat on tour! Ohne neues Album, ohne wirklichen Grund und mit nicht gerade populären Support Bands. Das versprach nichts Gutes und hielt es auch. An diesem Sonntag im Zeichen des "Fremdschämens" sollte alles anders kommen, als erwartet und erhofft...
DarksceneTom
DarksceneTom
(135 Live-Berichte)
Tiamat waren Anfang der 90er eine der spannendsten Bands und hatten mit "Clouds" und dem unantastbaren Meisterwerk "Wildhoney" (zum Classic) Alben am Start, die es schafften nahezu die komplette Metal Gemeinde zu fesseln und in ihren Bann zu ziehen. Ich für meinen Teil hab Johan Edlund und seinen Mannen zwar auf Platte spätestens seit 1999 restlos abgeschrieben, halte der einst so extravagant und großartigen Band aber live immer noch die Treue, zumal die Schweden auch in den letzten Jahren "on stage" nie enttäuscht haben.



So gesellt man sich eben auch an diesem verdammt ungemütlichen Sonntagabend in den Innsbrucker Hafen, um gemeinsam mit der fast schon erschreckenden Kulisse von – zur prime-time – hoch geschätzten 60 weitren Hartgesottenen, einem Tourpackage beizuwohnen, das im Grunde völlig unpassend zusammengewürfelt scheint und bei den bisherigen dates mit erwartet enttäuschendem Zuschauerzuspruch zu kämpfen hatte. Das Line-Up der Tour ist nämlich ebenso fraglich, wie die Tatsache warum Tiamat aktuell eigentlich überhaupt auf Tour sind, zumal ihr aktuelles Album "Amanethes" auch schon zwei Jährchen am Buckel hat. Aber egal, manchmal kommt es ohnehin anders als man denkt, und im Vorfeld angezweifelte Abende wie dieser, haben sich in der Vergangenheit ja schon zu unglaublich positiven Überraschungen entwickelt, zumal ich für meinen Teil bereits im Vorfeld große Hoffnungen in die beiden Support Bands Stoneman und Orden Ogan setze.
An diesem Sonntag im Zeichen des "Fremdschämens" jedoch sollte alles anders kommen. Das wurde spätesten um 19:30 klar, als unser anwesendes DS-Dreigestirn mal locker über 50% der Anwesenden ausmachen sollte. Dramatische Ereignisse kündigten sich an, und nachdem sich die Halle bis weit nach 20:00 nicht weiter füllen wollte, musste der bedauernswerte und enttäuschte Veranstalter trotz erschreckendem Negativ-Besuch grünes Licht für die erste Band geben…



Stoneman

Den zugegeben schweren, ja fast schon tragischen Start vor ca. 30 Nasen musste also die Schweizer Antwort auf die gehypten Deathstars übernehmen. Musikalisch enttäuschte mich das Quartett - von dem ich auf Platte eine sehr hohe Meinung habe - bei seinen ersten Tönen von "Devil in a Gucci Dress" noch in keinster Weise. Die Jungs sind top gestylt, der Sound ist gut, die Bühnenpräsenz jedoch, die wirkt angeführt von einem unglaublich sauer dreinschauenden Frontman Micki Chicks extrem unmotiviert. Was natürlich auch nicht passt, ist die Stimmung und das Publikum. Es muss in der Tat grausam sein, wenn man vor der Menschenmenge von gerade mal zwei Fußballmannschaften auftreten muss.
Wer ein Rockstar werden will – und diesen Anspruch haben Stoneman ja offensichtlich - der muss aber auch durch tiefe Täler gehen. Die Millionen und die Fanmassen sind noch keiner Band in den Schoß gefallen, und so finde ich es absolut enttäuschend und im höchsten Grad unprofessionell, dass die Schweizer ihren Set nach gerade mal drei Songs völlig humorlos und angezickt beenden, um angepisst von der Bühne zu stapfen.
Schon mal darüber nachgedacht, dass unter den wenigen Leuten auch Fans sein könnten, die einzig und allein wegen Euch da waren meine Herren Eidgenossen? Wie erklärt man denen solch völlig ungerechtfertigtes Rockstar-Gehabe?
Auch Bands wie Metallica oder Iron Maiden haben sich in ihren Frühtagen vor einer Handvoll Fans den Arsch wund gespielt. Auch sie werden ob magerer Kulisse oft angepisst gewesen sein, haben ihr Ziel aber konsequent verfolgt und ihr Ego ihrem Status angepasst. Ein knapper 15 Minuten Auftritt wie dieser ist schwach und unprofessionell, und auch wenn das "familiär" aufgestellte Publikum wahrscheinlich gewisses Verständnis dafür hatte, führte er in Folge zum massiven Disput mit dem Tourmanager, zumal für Stoneman eine Spielzeit von 40 Minuten angedacht war.

Das hinterlässt einen Mief, den sich eine aufstrebende und junge Band einfach nicht leisten kann. Enttäuschung hin oder her: Das geht gar nicht und auch wenn ich den Text von "Wer ficken will, muss freundlich sein" immer noch enorm bescheuert finde, legen wir uns diesen heute als Ratschlag für Stoneman zu recht:
"Wer ein Rockstar werden will, muss auch Dreck fressen können!"

Orden Ogan

Die Deutschen von Orden Ogan waren ja bereits im Vorfeld ohne Frage so was wie der Fremdkörper des Abends und auch sie würden wohl lieber vor mehr als den mittlerweile 40 in Winterjacken gehüllten Besuchern spielen. Im Gegensatz zu den Schweizern verfallen Orden Ogan aber nicht in Selbstmitleid. Die jungen Deutschen meistern die Misere mit Humor, einigen bissigen Seitenhieben auf ihre zickigen Kollegen aus der Schweiz und mit perfekter Arbeitsauffassung. Dabei hätten Orden Ogan allen Grund dafür, dass sie ihren Set weitaus kürzer halten. Zumal sich Sänger Seeb mit einer amtlichen Verkühlung rumschlägt und die Jungs erstmals in ihrer Karriere mit einem Aushilfsshouter agieren müssen, der spontan einen großen Teil der Lead Vocals übernehmen muss. Dass dieser junge Roadie im Glen Danzig Gedächtnislook dabei statt klarer Stimme mit Growls agiert wirkt anfangs sonderbar, fügt sich aber durchaus gelungen in die starken Power Metal Songs der Deutschen ein und gibt ihnen eine neue, durchaus ansprechende Note.
So machen die sechs Jungs selbst an diesem tristen Abend wirklich Spaß. Technisch gibt es rein gar nix auszusetzen, die Bühnenperformance ist spielfreudig und sympathisch, und siehe da:
Beim "Easton Hope" Smasher "We Are Pirates" bringt man sogar die heute so lausige Hafen Kulisse zum Mitsingen. So muss das sein und wer diese Band bisher noch nicht am Radar hatte, der sollte sie sich fett am Notizzettel notieren. Live und auch auf Platte!



Tiamat

Wo man bei jungen Bands noch die Toleranzfahne in Sachen "Fremdschämfaktor" ziehen kann, wird’s heute bei einer Ikone wie Tiamat schon sehr schwierig sich in die erste Reihe zu bewegen.
Es ist beschämend und unwürdig, vor welch grausamer Kulisse sich ein immer noch unglaublich charismatischer Frontmann wie Johan Edlund heute abmühen muss. Allein seine Ausstrahlung und die Professionalität wären Grund genug um Tiamat die Ehre zu erweisen, und auch wenn die Setlist des Abends weniger alte Jahrhundertklassiker als erhofft auffahren sollte, ist auch der heutige Tiamat Auftritt – in Anbetracht der kläglichen Rahmenbedingungen wohlgemerkt – gelungen. Dass Johann heute keine zwei Stunden auf der Bühne steht ist verständlich. Es ist aber völlig ausreichend, wenn er mit stimmungsvoller Licht- und Nebelshow einen 65 Minuten Set vorm überdimensionalen Lichtkreuz (verkehrt selbstredend) runterzieht und sich zu keinem Moment so etwas wie Enttäuschung anmerken lässt.
Absolut professionell bedienen Tiamat ihr Publikum mit einem Querschnitt ihres Schaffens. Dass meine Highlights dabei von Alben wie "Wildhoney", "Clouds" und "A Deeper Kind Of Slumber" kommen und auf Namen wie "Whatever That Hurts", "Cold Seed" und "Phantasma deluxe" hören, mag wenig verwundern. Aber auch die auf Konserve eher langatmigen jüngeren Momente wissen zu überzeugen, entfachen mit der intensiven Lichtshow und einem absolut überpräsenten Frontman wie Edlund ihre Wirkung und gipfeln in einem allen Widrigkeiten zum Trotze großen Finale mit dem immer wieder sensationellen "The Sleeping Beauty" und einem einfach nur genialen "Gaia".

Am Ende der Reise bringt Johann Edlund die Chose genau so ebenso stilvoll zu Ende, wie er sie begonnen und in absolutem Top-Profi Format durchgezogen hat.
Tiamat verabschieden sich von ihren wenigen Getreuen, klatschen artig mit ihren Fans ab und verlassen die Bühne mit einem inbrünstigen:
"Satan bless you! Thank You, Goodbye!"



Viel bleibt nicht mehr zu sagen. Ich für meinen Teil verabschiede mich demnach ebenso von einem Event, den ich trotz mittlerweile über 20-jähriger Metal- und Konzertkarriere in solch trister Form nur selten erlebt habe. Ich halte beide Daumen, dass die Veranstalter in Innsbruck und Tirol deswegen nicht den Kopf in den Sand stecken, damit wir auch weiterhin ein solch pralles Konzertprogramm genießen können, wie diesen Herbst.
Sollte es anders kommen, müssen sich in erster Linie auch die "Fans" an die Nase fassen….

Mein persönliches Fazit hält nach einer langweiligen Firmenweihnachtsfeier mit schlechtem Essen am Freitag, einem in bitterer Kälte auf Tivoli Nord ausgestandenden Offenbarungseid des FC Wacker Innsbruck, und der heutigen Fremdschämnacht in einem ausgestorbenen Hafen jedenfalls den dritten Wochenend-Flop in Folge fest, meine Wenigkeit notiert sich den lupenreinen Asshole-Hattrick und hat damit alle Schuldigkeit für 2010 und wohl auch fürs kommende Jahr abgetan…



Fotocredits: Darkscene c/o Thomas Kernbichler
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