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Amorphis, Solstafir, Lost Society
31.10.2023, Komma, Wörgl 
HALO 2023  
Besser als mit diesem Tourpackage kann man den Halloween-Abend kaum feiern. Wenn die unumstrittenen Melodic-Death-Metal Könige aus Finnland auf Reise gehen, sind wir immer mit dabei und weil auch meine Lieblinge von Solstafir im Nightliner liegen, kann
DarksceneTom
DarksceneTom
(139 Live-Berichte)
Besser als mit einem der feinsten Tourpackages dieses Herbsts kann man den Halloween-Abend kaum feiern. Wenn Amorphis, die unumstrittenen Melodic-Death-Metal Könige aus Finnland, auf Reise gehen, sind wir sowieso immer mit dabei. Weil sie diesmal auch meine Lieblinge von Solstafir mit im Nightliner liegen haben, kann und muss diese Tour einfach nur ein Triumph werden. Ein Triumphzug, den wir dankbarerweise auch wieder bei unseren alten Freunden im Komma Wörgl miterleben dürfen. Eine verdammt gut besuchte Show war angesichts dieses starken Packages zu erhoffen, sold-out war zu erträumen und wurde bereits wenige Tage vor der Show Realität. Großartig, Gratulation an Bands und Veranstalter. Chapeau!
Es ist also angerichtet, als das rappelvolle Darkscene-Mobil bei artgerechtem "Skandinavia-like-Wintervorboten-Schmuddelwetter-Marke-Tirol" gen Wörgl rattert. Es kann nur geil werden heute und nach einem erfreulichen Wiedersehen mit vielen alten Bekannten und Weggefährten, geht’s dann auch Schlag auf Schlag ohne Verschnaufpause los.

Lost Society

Hatte ich schon erwähnt, dass Amorphis und Solstafir noch Lost Society mit an Bord haben, um das Package abzurunden? Eher nicht. Warum? Weil die einst coolen Finnen mittlerweile zuletzt massiv an Glaubwürdigkeit verloren haben und nur noch bedingt interessant sind. Waren Lost Society mit ihren ersten Alben noch eine wirklich ernstzunehmende und sympathische Thrash-Band der vierten Generation, so klingen sie nun plötzlich wie eine der Millionen identitätsloser US-Modern-Metal Groove Bands. Warum und wie so eine nicht nachvollziehbare Entwicklung passieren kann, steht in den Sternen. Die Show der Nordlichter, deren Fronter und "Wannabe-Rockstar" optisch irgendwo zwischen Hardcore Superstar und Alexi Laiho liegen will und deren Sound musikalisch mittlerweile die kommerzielle Nische zwischen Slipknot, Avatar und Avenged Sevenfold bedient, ist zwar wenig glaubwürdig, deswegen aber keineswegs ganz schlecht.

Anthrax, Nuclear Assault und Municipal Waste waren halt leider gestern. Heute klingen Lost Society wie die nächste moderne Groove-Kapelle von nebenan. Wie eine weitere gute, aber eben vollkommen identitätslose Modern Metal Truppe aus Übersee. Das ist zwar beileibe nicht schlecht und die Show steigert sich nach anfänglichen Soundproblemen auch, am Ende der knapp 40 Minuten bleibt aber trotz einiger guter und dezent hitverdächtiger Momente ein Set austauschbarer Kunst, der eigentlich nur angesichts der netten Show ein zumindest halbwegs versöhnliches Fazit zulässt.



Solstafir

So sehr ich Amorphis verehre, mein heimlicher Headliner dieser Nacht heißt Solstafir. Warum? Weil die Isländer momentan eine der besten und intensivsten Livebands der Szene sind und weil sie es fast immer schaffen, das Publikum binnen weniger Minuten mit ihrer atmosphärischen Kunst in ihren Bann zu ziehen. Zuletzt haben das Solstafir bei der nahezu makellosen Show im Frühjahr im Backstage München höchst eindrucksvoll unter Beweis gestellt und zurecht meine volle Begeisterung und Verehrung für ein ausschweifendes Livereview entfacht.

Wenige Bands gehen so inbrünstig stimmungsvoll und vereinnahmend zu Werke. Solstafir live, das ist optisch, wie musikalisch überwältigend und deshalb erleben die Nordmänner seit ihrem kreativen und musikalischen Durchbruch mit "Svartir Sandar" (zum Review) auch einen triumphalen Auftritt nach dem anderen. Grund dafür sind insbesondere die großartigen Epen, die auf diesem Meisterstück und den beiden schlicht genialen Folgewerken "Ötta" (Review) und "Bedremin" (Review) kreiert wurden und die den Geist der isländischen Landschaft und Kultur verinnerlichen, wie wenig andere.
Wer Solstafir einmal so richtig entdeckt und verstanden hat, der kann sich dem psychedelisch, kargen, düsteren Viking-Post-Rock der Isländer nur mehr schwer entziehen.




Auch heute sind Solstafir großartig, wenn auch nicht ganz so grandios wie bei der Show Anfang des Jahres. Vielleicht ist der große Unterschied wirklich, dass die Isländer bei ihrer letzten Tour den Livesound mit echten, fetten Amps kristallklar und perfekt von der Bühne geblasen haben. So transparent und so perfekt wie damals klingen die Soundwände und Klangteppiche heute ohne die fetten Verstärker auf der Bühne nämlich leider nicht. Gerade zu Beginn des grandiosen Openers "Bláfjall" sind die Gitarren und der Gesang viel zu leise, Drums und Bass viel zu laut. Der Sound bessert sich zwar im Laufe der Show, wird aber leider nie so perfekt, wie es der Kunst von Solstafir gebührt und wie er einfach sein muss, um das Publikum in diese ureigene Trance zu versetzen, die die Kunst des Vierers so unvergleichlich macht.
Schade, denn der Auftritt ist wieder mal emotional und bärenstark. Optisch lassen Solstafir sowieso rein gar nichts anbrennen und die inbrünstige Performance von Frontman Aðalbjörn Tryggvason ist auch immer wieder sehenswert. Über die Setlist lässt sich indes wie gewohnt streiten. Natürlich ist die Spielzeit mit einer knappen Stunde für die Masse an Epen der Band viel zu kurz. Für meinen Geschmack wären atmosphärische Songs aber weit essentieller, als manch schrammelig und rau rockender Moment. Aber das ist vollkommen subjektiv.

Was bleibt ist trotz des schwierigen Sounds der heutigen Show ein weiterer klasse Auftritt einer der eigenständigsten, charismatischsten und besten Bands unserer Zeit. Eine Show, die ihre Höhepunkte einmal mehr in der unglaublichen Stimmung von mächtigen Epen wie "Fjara" und "Ötta" findet und die genau bei diesen Momenten nachdrücklich beweist, wie groß die Kunst und Atmosphäre von Solstafir sind! Leider ist die Show nach dem obligatorischen "Goddess Of The Ages" auch schon vorbei und man darf hoffen, dass Solstafir schon bald wieder als Headliner zurückkehren.



Ich darf mich wiederholen: Ich verehre Solstafir und sie fesseln und vereinnahmen mich mit ihrer Kunst so restlos, wie es nur wenige andere Bands vermögen. Wer diese Nordmänner einmal in ihrer vollen Pracht live erlebt hat, der wird ihnen immer wieder folgen. Zu intensiv, zu übermannend und beeindruckend fesselnd sind ihre Kunst und ihre Performance und genau deshalb ziehe ich heute einmal mehr meinen Hut ganz tief vor ihnen.

Setlist Solstafir:
1. Bláfjall
2. Ord
3. Ör
4. Fjara
5. Ótta
6. Goddess of the Ages



Amorphis

In über 30 Jahren intensivster Konzertkarriere hat man viele Bands sehr oft getroffen. Nur wenige aber haben wir so oft live erlebt wie Amorphis. Wir haben keine Tour seit "Skyforger" mehr ausgelassen und wir wurden dabei nie enttäuscht.
Weil Amorphis einfach zu gut, zu groß und zu großartig sind, um noch irgendwas anbrennen zu lassen. Auch hier muss man sich wiederholen. Keine andere Band des Globus beherrscht es derart zielsicher melodischen Death Metal, epische Pagan-Melodien und Ausflüge in Prog-Rock-Sphären so homogen und schlüssig zu paaren wie Amorphis. Härte und Eingängigkeit, unglaublich dichte Atmosphäre und Gänsehautmelodien am Fließband, sind bei den Finnen seit ihrem 94-Meisterwerk und Referenzalbum "Tales from the Thousand Lakes" beinahe selbstverständlich.

Niemand kann und wird Amorphis vom Thron des melodischen Death Metal stürzen und das beweisen uns die Herren auch heute wieder eindrucksvoll.
Natürlich ist das Überraschungspotential einer Amorphis-Show mittlerweile eher gering. Dafür haben wir die Band zuletzt einfach zu regelmäßig erlebt und dafür sind die Setlists durch unverzichtbare Hits der letzten 30 Jahre auch ebenso zu vorhersehbar, wie Show und Performance. Dass dies dem Spaß an einer Amorphis-Party nicht schmälert, steht auf einem anderen Blatt. Egal wie, egal wo: Die Songs der Finnen sind einfach überragend. Ihre perfekt inszenierte und auf den Punkt komponierte Balance aus Härte, Wucht und Aggression und traumwandlerischen Melodien ist schlicht perfekt. Natürlich war das letzte Studioalbum "Halo" mit etwas Abstand und nach der ersten Euphorie betrachtet nicht der Weisheit allerletzter Schluss. Es steht wohl auch außer Frage, dass außer "On The Dark Waters" nur wenige Songs das Zeug zum Klassiker haben. All das macht aber nichts, weil Amorphis nebst den vier „nur“ guten neuen Nummern eh ausschließlich Klassiker und Hits von der Bühne schmettern.



Nach kurzen Problemen zu Beginn, ist gottlob auch der Sound beim Headliner endlich richtig transparent und fett. So soll das sein und nicht zuletzt deshalb, weil die Crowd im ausverkauften Komma richtig klasse ist, liefern Amorphis eine der mitreißendsten Shows seit langer Zeit ab. So gut gelaunt, so euphorisch und so nah am Publikum waren die unterkühlten Finnen selten. Grund dafür ist sicher die unerwartet ausgelassene Stimmung. Das Komma geht von Beginn an steil und spätestens beim unsterblichen "Into Hiding" bricht jeder Bann. Das Komma tanzt, singt und bangt. Die Band hat höllisch Spaß daran und lässt sich von der Partystimmung sichtlich anstecken. Musikalisch lassen die Finnen bekanntlich sowieso nix anbrennen. Auch heute sitzt jeder Ton und Tomi Joutsen beweist einmal mehr, dass er in jeglicher Stimmlage einer der allerbesten seiner Zunft ist.
Was folgt ist ein 90-minütiger Triumphzug, dessen Höhepunkte einmal mehr die unsterblichen Klassiker der Frühtage ("Magic And Myhem", "Black Winter Day" und "My Kantele"), das grenzgeniale "Skyforger" und natürlich auch die kommerziellen Hits der jüngeren Zeit sind ("House Of Sleep" und "Silver Bride"). Diese Songs werden ihre Größe und Magie genau so nie mehr verlieren, wie die unglaublichen Gitarrenmelodien der Herren Esa Holopainen und Tomi Koivusaari, vor denen man sich immer wieder aufs Neue verneigen darf.

Amorphis sind und bleiben eine Ausnahmeband und weil "Bad Blood", "Wrong Direction" und "Amongst Stars" auch richtig ins Volle treffen und sich "The Bee" als überraschend beeindruckende Zugabe herausstellt, kann man trotz des Fehlens vieler Jahrhundertsongs (kein Song vom "Circle"-Meisterwerk (zum Review) ist eigentlich Blasphemie!) bedenkenlos und ohne zu übertreiben von einer der besten und mitreißendsten Amorphis-Shows der letzten Jahre erzählen und die Publikumsreaktionen und die durchwegs zufriedenen Gesichter der Bandmitglieder untermauern das letztlich überdeutlich!



Besser kann man Halloween nicht feiern. Amorphis überzeugen einmal mehr und ihre Kunst ist und bleibt unverkennbar, unerreicht, zeitlos markant und grandios. Die Finnen sind und bleiben ohne Zweifel eine der herausragendsten Bands der letzten drei Dekaden und mit das Beste, das der Heavy Metal im Hier und Jetzt zu bieten hat!
Es war eine amtliche Party. Bis zum nächsten Mal!

Setlist Amorphis:
1. Northwards
2. On the Dark Waters
3. Bad Blood
4. The Moon
5. Thousand Lakes
6. Into Hiding
7. Black Winter Day
8. Silver Bride
9. Sky Is Mine
10. Wrong Direction
11. Amongst Stars
12. Seven Roads Come Together
13. My Kantele
14. House of Sleep
---
15. The Bee

Auch für Darkscene war diese Halloween-Show in Wörgl ein kleines Jubiläum. Knapp über 20 Jahre ist es her, dass wir zu der damaligen Jahrhundertshow unserer Redaktionslieblinge von Savatage den ersten Darkscene-Livebericht vom Komma-Wörgl schreiben durften Hier gehts zum "noch etwas jungfräulich und holprig geschriebenen" Bericht dieser legendären und denkwürdigen Show. Damals wie heute war es uns eine Freude und Ehre und wir hoffen, dass den unzähligen Shows und Liveberichten der letzten zwei Dekaden noch viele so großartige Metal Shows und Rock Parties folgen werden. Wir sind dabei, bedanken uns abermals für eine berauschende Heavy Metal Party und hoffen auf ein baldiges Wiedersehen!

Unser Dank für die großartigen Fotos des heutigen Abends geht an Anthalerero Majere (zum Facebook-Profil). Weitere Bilder findet ihr hier in der Gallerie.





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