HomeNewsReviewsBerichteTourdaten
ImpressumDatenschutz
Anmeldung
Benutzername

Passwort


Suche
SiteNews
Interview
Sinner

Review
The Rolling Stones
Foreign Tongues

Interview
Rock Justice

Review
Crown Lands
Apocalypse

Review
Ruthless
Curse Of The Beast
Upcoming Live
Keine Shows in naher Zukunft vorhanden...
Statistics
305 Interviews
403 Liveberichte
202 Specials
Sinner - Boom Bang Goodbye als letzter Gruß
Sinner - Boom Bang Goodbye als letzter Gruß  
Bevor es um das Ende von SINNER, "Boom Bang Goodbye" und mehr als vier Jahrzehnte Bandgeschichte geht, landen Mat Sinner und ich bei einem Thema, das im Ruhrgebiet fast genauso emotional diskutiert wird wie Musik: Fußball.
TobSta
TobSta
(22 Interviews)
Er freut sich als Schalke-Fan über die Rückkehr in die Bundesliga, ich hoffe als Anhänger von Borussia Dortmund auf spannende Derbys. Zwischen Aufstiegseuphorie, Fehlentscheidungen der Schiedsrichter und der Vorfreude auf die kommende Saison wird schnell klar, dass die Rivalität zwar lebt, die gemeinsame Leidenschaft für den Fußball aber größer ist. Nach einigen Minuten Fachsimpelei wechseln wir schließlich vom Rasen auf die Bühne. Das ist bei Mat Sinner ohnehin kaum voneinander zu trennen: Während die letzten Jahre musikalisch vor allem von PRIMAL FEAR geprägt waren und wir zuletzt rund um "Domination" stattfand, steht diesmal seine eigene Band im Mittelpunkt. "Boom Bang Goodbye" ist das finale Studioalbum von SINNER. Nachdem wir noch kurz über die letzte PRIMAL FEAR-Show in Mannheim und die starke Stimmung gesprochen haben, kommen wir auf einen kuriosen Zufall zu sprechen: Das Debütalbum von PRIMAL FEAR erschien einst in einer "Blechdose", die tatsächlich in meiner Heimatstadt gefertigt wurde. Ein Mitarbeiter brachte mir damals ein Exemplar mit – und so begann meine persönliche Verbindung zu Mat Sinners Musik. Doch statt weiter in Erinnerungen zu schwelgen, kommen wir schließlich zum eigentlichen Thema des Gesprächs: dem letzten SINNER-Album und dem Ende einer Bandgeschichte, die den deutschen Hard Rock und Heavy Metal über Jahrzehnte mitgeprägt hat.

DarkScene: Nach den gesundheitlich schwierigen Jahren hattest du dir eigentlich vorgenommen, etwas kürzerzutreten. Wie wurde daraus trotzdem noch ein letztes SINNER-Album?

Mat Sinner: Das war ursprünglich gar nicht geplant. Nach allem, was ich hinter mir habe, wollte ich mich eher darauf konzentrieren, weniger zu machen. Weniger bedeutet bei mir zwar immer noch eine Menge Arbeit mit PRIMAL FEAR, Festivals, Tourneen und neuen Songs, aber ich wollte mich nicht mehr auf jeder Hochzeit gleichzeitig bewegen. Irgendwann habe ich dann wieder angefangen zu schreiben. Zunächst ohne großen Plan, einfach nur Songs. Als Alex Scholpp dazu kam und wir die Gitarren ausgearbeitet haben, wurde uns klar, dass das Material viel zu gut ist, um in der Schublade zu verschwinden. Also haben wir beschlossen, doch noch eine letzte SINNER-Platte zu machen.



DarkScene: Du hast für "Boom Bang Goodbye" zahlreiche Musiker und Sänger um dich versammelt. Wie ist dieses Team entstanden?

Mat Sinner: Als klar war, dass wir die Platte machen, haben wir uns natürlich überlegt, wen wir dabei haben wollen. Alex Scholpp war sofort gesetzt, weil wir die Songs gemeinsam ausgearbeitet haben. Für das Schlagzeug habe ich Moritz Müller gefragt, mit dem ich schon bei ROCK MEETS CLASSIC und anderen Projekten gearbeitet habe. Er ist ein grandioser Drummer und hatte sofort Lust mitzumachen. Danach haben wir geschaut, wie wir das Ganze noch etwas aufwerten können. Jim Müller von KISSIN’ DYNAMITE ist ein guter Freund, Magnus Karlsson begleitet mich seit vielen Jahren bei Songs, Produktionen und Projekten und mit Mathias Dieth konnte ich einen Gitarristen dazu holen, den ich schon immer sehr geschätzt habe. Komplettiert wurde das Ganze durch Lisa Müller an den Keyboards.

Bei den Sängern war es ähnlich. Die Songs waren zuerst da, die Auswahl kam erst danach. Für mich war wichtig, dass die Leute nicht einfach irgendwelche Gäste sind, sondern Freunde. Ronnie Romero begleitet mich schon seit vielen Jahren und war auf den letzten SINNER-Alben immer wieder vertreten. Erik Mårtensson ist ein enger Freund, Björn Strid kenne ich seit dessen NUCLEAR BLAST-Zeiten und Michael Bormann wird meiner Meinung nach bis heute unterschätzt. Besonders bewegt hat mich Michael Sadler von SAGA. Ich habe ihm ‘Turn The Page’ geschickt und was ich zurückbekommen habe, war für mich eine emotionale Bombe. Nicht nur, weil wir befreundet sind, sondern weil er den Song singt, als wäre es seine eigene Geschichte.

DarkScene: Mit "Wait" ist gerade die erste Single erschienen. Wie zufrieden bist du mit dem Ergebnis?

Mat Sinner: Ich bin sehr zufrieden. Für mich ist das ein schöner Sommersong und das Video unterstützt die Stimmung des Songs perfekt. Das nächste richtige Video wird dann zu "Leave It All Behind" erscheinen. Da ist auch Ronnie Romero dabei und wir hatten eine tolle Location. Das wird richtig gut.

SINNER - "Wait" (Official Music Video)



DarkScene: Mir ist beim Hören aufgefallen, dass "Boom Bang Goodbye" insgesamt ein sehr emotionales Album geworden ist. Viele Songs wirken motivierend und lassen sich auf die eigene Situation übertragen. War das ein bewusster Ansatz?

Mat Sinner: Ja, absolut. Ich wollte bei jedem Song eine Geschichte erzählen. Ich weiß, dass ich niemals das Niveau eines Bruce Springsteen erreichen werde, aber das liegt auch daran, dass Englisch nicht meine Muttersprache ist. Für mich ist es deutlich schwieriger, mich so auszudrücken, wie ich das gerne würde. Trotzdem wollte ich, dass jeder Song eine authentische Geschichte hat. Ich wollte keine oberflächliche SINNER-Platte machen und über Aliens im Weltall singen. Das war nie mein Ansatz. Ich wollte verarbeiten, was in mir vorgeht und was in den letzten Jahren in mir vorgegangen ist. Deshalb war es mir wichtig, bei den Texten ehrlich und authentisch zu bleiben.

DarkScene: Hattest du beim Schreiben der Songs bereits bestimmte Sänger im Kopf?

Mat Sinner: Nein. Die ganze Sängerauswahl kam erst hinterher. Die Songs waren zuerst da. Ich musste ja erst einmal herausfinden, wer überhaupt Zeit und Lust hat, dabei zu sein. Dass die Resonanz am Ende so positiv ausfällt, konnte ich vorher nicht wissen. Natürlich musste ich auch improvisieren, weil nicht jeder verfügbar war, aber insgesamt bin ich sehr glücklich mit dem Ergebnis. Das Lustige ist ja, dass ausgerechnet Björn Strid den kommerziellsten Song auf der Platte singt – einen Song, der eigentlich meilenweit von SOILWORK entfernt ist. Klar, mit THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA weiß man, dass er das kann, aber überrascht hat mich seine Wahl trotzdem.

DarkScene: Ich habe mich tatsächlich gefragt, warum Ralf Scheepers auf "Boom Bang Goodbye" nicht zu hören ist. War das für dich nie eine Option?

Mat Sinner: Nein, das wollte ich bewusst trennen. Zu dem Zeitpunkt, als wir die SINNER-Platte aufgenommen haben, waren wir bereits mitten in den Planungen und ersten Arbeiten am neuen PRIMAL FEAR-Album. Ich finde auch, dass der musikalische Stil von SINNER inzwischen weit genug von PRIMAL FEAR entfernt ist, und das ist auch völlig in Ordnung so. Wir machen ein neues Album zusammen und das passt. Aber dass Ralf jetzt auf einem Song von "Boom Bang Goodbye" singt, hätte ich nicht gut gefunden. Stattdessen singt Magnus Karlsson auf einem Song die Lead-Vocals, was viele vielleicht überraschen wird. Dabei vergessen manche, was für ein guter Sänger er eigentlich ist. Das war mir in diesem Fall lieber, weil er dadurch eine Plattform bekommt. Was Ralf kann, wissen wir ohnehin alle. Und bei der nächsten PRIMAL FEAR-Platte wird er genug Möglichkeiten haben, sich auszutoben. Zum Glück kenne ich die neuen Songs schon – das wird eine echte Bombenplatte.

DarkScene: Ich muss das einfach fragen, weil ich es gelesen habe: Ihr habt angekündigt, dass “Metal Commando” 2027 sein 30-jähriges Jubiläum feiert. Habt ihr dafür etwas Besonderes geplant?

Mat Sinner: Die nächste Platte wird pünktlich zum 30-jährigen Jubiläum erscheinen und dazu wird es natürlich auch eine Tour geben. Allerdings werden wir sehr genau darauf achten, wo wir spielen. Lieber weniger Konzerte, dafür in Venues, in denen man die Band vernünftig präsentieren kann. Die Leute sollen etwas sehen, der Sound muss stimmen und die Bühne muss zur Show passen. Mannheim ist dafür ein gutes Beispiel. So etwas schwebt mir vor. Das Jubiläum wird aber keine nostalgische Rückschau mit allen ehemaligen Musikern werden. Im Mittelpunkt stehen die aktuelle Band und das neue Album. Wir schauen nach vorne, nicht zurück. Und ganz ehrlich: Wir sind momentan super happy. Egal, wo wir spielen, die Resonanz ist so gut wie nie zuvor.

SINNER - "Leave It All Behind" (Official Music Video)



DarkScene: Zum Abschluss muss natürlich noch die Frage erlaubt sein, ob "Boom Bang Goodbye" wirklich das letzte Kapitel von SINNER bleibt oder ob die Fans doch noch auf einige Konzerte hoffen dürfen.

Mat Sinner: Ausschließen würde ich das nicht. Wenn die Platte richtig gut ankommt und die Nachfrage entsprechend da ist, kann ich mir durchaus vorstellen, noch einige ausgewählte SINNER-Shows zu spielen. Aber dann müsste das dem Anlass auch gerecht werden. Ich möchte nicht einfach irgendwo auftreten, nur um gespielt zu haben. Wenn wir das machen, dann soll es etwas Besonderes sein und ein würdiger Abschluss für die Band.

Auch die Idee, Magnus Karlsson bei einer PRIMAL FEAR-Tour einen SINNER-Song singen zu lassen, lehnt Mat ab. Für ihn gehören beide Bands trotz aller personellen Überschneidungen klar getrennt.

1: Das möchte ich nicht vermischen. SINNER ist SINNER und PRIMAL FEAR ist PRIMAL FEAR.



Zum Ende des Gesprächs wird dann noch einmal deutlich, wie wichtig ihm die Fans nach all den Jahren geblieben sind. Ob bei Konzerten, über Social Media oder per E-Mail – Mat versucht den Kontakt so gut wie möglich zu halten und weiß die Unterstützung über die Jahrzehnte hinweg zu schätzen. Mit "Boom Bang Goodbye" endet zwar ein bedeutendes Kapitel seiner Karriere, ein Abschied von der Musik ist das jedoch keineswegs. Dafür hat Mat Sinner noch zu viele Ideen – und mit PRIMAL FEAR bereits das nächste Kapitel fest im Blick.
Mehr von Sinner
The Rolling Stones - Foreign TonguesCrown Lands - ApocalypseRuthless - Curse Of The BeastMasterplan - MetalmorphoseMoonspell - Far From GodMidnight Rider - Limited InfinityKlimt 1918 - AmorSepultura - The Cloud Of UnknowningRock Justice - You've Been ServedHardline - Shout
© DarkScene Metal Magazin