Das bis vor kurzem mir noch unbekannte Duo
Crown Lands genießt in seiner Heimat Kanada mittlerweile ein hohes Ansehen. Ob der (noch) ausgebliebene internationale Durchbruch an der nachgesagten Bescheidenheit der nördlichsten Amerikaner liegt oder einfach nur am lange übersättigten Markt, wer weiß das schon? Nach einigen Releases (
"Crown Lands",
"White Buffalo",
"Fearless") liegt mit
"Apocalypse" nicht nur ein weiteres Full-Lenght-Album vor, darüber hinaus ist es ein Konzeptalbum im Sinne einer ambitionierten Rock-Oper, die gut und gerne in der Blütezeit der Siebziger verortet werden darf.
Mangelndes Engagement kann man den beiden Kreativköpfen Cody Bowles und Kevin Comeau jedenfalls nicht vorwerfen. Ihre Vision einer spritzigen Space-Opera zeigt einerseits eine Art Hommage an die ewigen Dinosaurier
Led Zeppelin,
Pink Floyd und vor allem an die Landsleute von
Rush (das Vibrato!), zum Anderen oszilliert der Sound dank der beiden Klangarchitekten Nick Raskulinecz und David Bottrill frisch, kräftig & up-to-date, wodurch ein spezieller Synergie-Effekt zu Tage tritt. Anachronismus? Ja, allerdings nur in Placebodosen. Nick hat ja bereits Kapazunder wie das oben genannte Powertrio aus Toronto in der späteren Karriere vorangepusht. Zurück zu
Crown Lands: Classic- und Progressive Rock bzw. cineastische Kollagen gehen bei diesen Allroundern nahtlos Hand in Hand.
Insbesondere im ersten vollwertigen Track touchiert die prägnante Kehlkopf-Stimme von Cody wahrscheinlich manches Nervenkostüm: schrille Highpitch-Screams machen
"Foot Soldier Of The Syndicate" mitunter zu einer Herausforderung, obschon die instrumentalen Zutaten, welche ihrerseits Referenzen früherer
Rush Taten zum Ausdruck bringen, die enorme Klasse der Zwei-Kopf-Band unterstreichen. Hooklines erster Sahne bilden eine der mächtigen Säulen; bzw. kommt der blutjunge Geddy Lee im weiteren Verlauf der Scheibe immer wieder zum Vorschein, soviel sei schon mal verraten. Die Ohrwurmqualität des nachfolgenden Triple'
"Through The Looking Glass"/
"Blackstar" /
"The Fall" (die initiale Rhythmusgitarre ist eine Floyd-Huldigung vom Feinsten) schraubt sich schließlich im Minuten-Takt in atemberaubende Höhen und verleitet den Hörer, dicke Bauklötze zu staunen, während die schöne Ballade
"The Revenants I" als Kontrast die Dichte und Dramatik zwischenzeitlich neutralisiert. Knapp zwanzig Minuten verschlingt zu guter Letzt der Titletrack. Und jener ist auch die erwartete Krönung dieses ohnehin imposanten Longplayers. Ein Husarenritt durch sämtliche Epochen der Rock-History - spacige Abfahrten, groovige und flotte Beats, Breaks und Rhythmus-Variationen bis zum Nimmerleinstag. Es wäre schlicht gelogen, wenn meiner Einer behauptet, ich hätte keine Anlaufschwierigkeiten bei dieser Achterbahn gehabt.
Für die großen Massen ist ein Werk à la
"Apocalypse" vielleicht nicht prädestiniert. Trotzdem sei gesagt: hier steckt so viel Liebe zum Detail und ein nicht zu unterschätzender Wiedererkennungswert drin, wodurch es für mich kaum vorstellbar ist, dass
Crown Lands auf Dauer im grauen Dunst der Insider verrosten. 42 Minuten voll gespickt von aufwühlender und ergreifender Kunst, soviel kann garantiert werden. Apropos. Wenn schon mal solch Ikonen wie
Kiss-Oberboss Gene Simmons und
Dream Theater-Vibrato James LaBrie eine Lanze für die Combo brechen, ist das wohl kein Zufall oder gar ein Akt von Heuchlerei.