Wie aus heiterem Himmel kam vor wenigen Monaten die Botschaft an das headbangende Volk, wonach die ehemaligen
King Diamond Musiker Pete Blakk (Gitarre), Hal Patino (Bass), Mikkey Dee (Drums, bekanntlich ex-
Motörhead, aktuell
Scorpions) mit dem treuen und langgedienten Kompositionspartner des Kings, nämlich Saitenmagier Andy LaRocque, gemeinsam ernst machen wollen. Bei genaueren Recherchen war ich hernach überrascht, dass diese Idee namens
Lex Legion eigentlich bereits im Jahre 2008 im Raum stand, das Umsetzen eines Longplayers jedoch ganze 18 Jahre verschlang. Die Gründe waren mannigfaltiger Natur, wie man sich denken kann. Für den vakanten Sängerposten schnappten sich die vier, einst von 1988 (
"Them") bis 1989 (
"Conspiracy") zusammen spielenden Musiker einen nicht ganz unbekannten Herrn aus Norwegen - niemand geringerer als Nils K. Rue (
Pagan's Mind) erhielt den Zuspruch, die letzten bzw. entscheidenden Farbtupfer anzubringen.
Nach den beiden Appetizer-Ohrwurm-Singles
"Gypsy Tears" und
"Sleep Eternally" gab es jedenfalls allen Grund zur Freude. Der Stil trägt nämlich den Vibe der auslaufenden Achtziger in sich, sei es in Bezug auf Songwriting oder in Bezug auf die (eigentlich stets passenden) mystischen Themen. Natürlich ist
"Lex Legion" nicht als billiger
King Diamond Abklatsch zu werten, dafür zeigt sich das Material meist zu eingängig. Wie Majestro LaRocque schon im Vorfeld durchblicken ließ, soll als gemeinsamer Nenner der Spirit jener Ära in die Gegenwart transportiert und gleichermaßen eine eigene Duftmarke entfaltet werden. All diese prägnanten Riffs/Harmonyleads und markanten/gedoppelten Gesangslinien ziehen sich mehr oder weniger durch das gesamte Album wie ein roter Faden.
Und auch in Sachen Geschwindigkeit bleiben die fünf Routiniers zumeist in der Midtempo-Zone.
"When The Stars Align" (starke
"Fatal Portrait" Schlagseite) sowie
"(I Am) Resurrected" schließen sich dem gelungenen Starterdouble nahtlos an. Der Song selbst steht hier im Mittelpunkt, musikalische Höchstleistungen oder dergleichen zogen
Lex Legion zu keiner Sekunde in Betracht. Mit
"Dreams Of Darkness" gibt es allerdings doch ein Stück, das zumindest teilweise in Uptempo-Gefilden entrückt - vielleicht die spannendste Komposition auf
"Lex Legion". Dezente Referenzen zum Diamantenkönig gibt es ebenso im späteren Verlauf, das betrifft vor allen Dingen den Background-Gesang bei
"Saviours" und
"Life Eternal". Das Instrumental
"Far Away" markiert den Schlusspunkt einer für mich bis vor kurzem völlig unerwarteten Scheibe, die gerade mal die Spielzeit von bescheidenen 34 Minuten erfüllt. Gegengleich sind unnötig aufgeblähte Longplayer bekanntlich auch nicht das Gelbe vom Ei.
Produktionstechnisch hat das Ganze selbstverständlich Hand und Fuß. Ein warmer, klarer und druckvoller Sound ist das Endergebnis. Warum denn weit in die Ferne schweifen, wenn Mr. LaRocque in seinem Sonic Train Recording Studio (Schweden) sich alles ohne Nebengeräusche richten kann? Das ganz große Killeralbum ist
"Lex Legion" bei allen Vorschusslorbeeren letzten Endes nicht geworden, dafür hätte es in Summe mehr zwingende Momente gebraucht. Trotzdem steht hier ein absolut anschauliches Heavy Metal Werk, welches über die weltweiten Fanscharen von
King Diamond und
Pagan's Mind hinaus sicherlich Interesse wecken wird!
In Anbetracht des - diplomatisch umschrieben - nüchternen Coverartworks dürfen die geschätzten Herrschaften von Lex Legion beim nächsten mal gerne kreativer sein.