Mit
MELANCHOLOST startet Sven The Axe ein neues musikalisches Kapitel abseits seines Heavy-Metal-Flaggschiffes
SOLEMNITY. Mit
MELANCHOLOST zockt er eine Mischung aus Okkult Rock und Dark Rock, angereichert mit düsteren atmosphärischen Elementen, statt dem bekannten klassischen Heavy Metal.
"Tales From The Poisoned Apple" heißt das Debütalbum und erscheint zeitgleich mit
"Opus Barbaricum", das er mit
SOLEMNITY raushaut.
Das Album wurde als Trio aufgenommen, bei dem Sven The Axe Gesang, Gitarren, Bass und Keyboards übernahm, Richard The Sword zusätzliche Keyboards und Backing Vocals einspielte sowie Alexander The Shield am Schlagzeug und ebenfalls an den Backing Vocals mitrockt. Inhaltlich beschäftigt sich
MELANCHOLOST mit okkulter Symbolik, Mystik und melancholischen Themen. Musikalisch setzt das Projekt auf dunkle Melodien, langsam aufgebaute Gitarrenparts und eine bewusst düstere Atmosphäre. Alle Songs auf
"Tales From The Poisoned Apple" wurden von Sven The Axe komponiert und geschrieben. Außerdem ist geplant, bei entsprechender Nachfrage ausgewählte Liveshows zu spielen. Laut Band soll dabei auch ein besonderes Bühnenkonzept umgesetzt werden. Ich höre mir jetzt erstmal das Debütwerk an und bin auf die Gangart gespannt.
Melancholost -
"Liber 777"
Die 66:44 Minuten starten mit
"Alkahest - The Primal Fire", dem ersten von insgesamt fünfzehn Songs des Albums. Direkt hier zeigt sich die durchgehend gute Atmosphäre der Platte. Man kann sich problemlos zurücklehnen und der markanten Stimme von Sven lauschen, der hier deutlich softer unterwegs ist als man es von
SOLEMNITY kennt. Danach geht
"If This World Would Be Eden" melancholisch, nachdenklich und angenehm ruhig weiter. Vor allem die Gitarren und die eher zurückhaltenden Drums funktionieren hier stark zusammen. Mit
"Liber 777" wird die Dark-Rock-Schlagseite deutlicher und der Song gewinnt im Verlauf hörbar an Druck.
"Another Brick On The Head" punktet dagegen vor allem mit seinem starken Intro und einer insgesamt sehr eingängigen Instrumentierung.
"Wolves By Midnight" bringt anschließend mit seiner leicht creepy wirkenden Geschichte zusätzlich Stimmung auf die Platte. Etwas knackiger geht es bei
"Abramelin" zur Sache, wobei der Hall auf dem Gesang stellenweise etwas zu dominant ausfällt.
"The Book Of Thoth" schlägt dann thematisch eine andere Richtung ein und sorgt mit seiner ägyptischen Symbolik für Abwechslung innerhalb des Albums. Mit
"The Swan" folgt wieder eine klassische Rockballade, die zwar gut funktioniert, auf Dauer aber auch zeigt, dass sich die vielen ruhigen Songs etwas ziehen können. Ähnlich verhält es sich bei
"These Bleeding Kisses", das vor allem von seinen schönen Melodiebögen lebt.
Melancholost -
"The Book Of Thoth"
"Red Wine & Black Roses" bringt danach endlich wieder mehr Druck und deutlich mehr Gitarrenwucht ins Spiel. Der düstere Grundton bleibt zwar erhalten, trotzdem geht der Song spürbar mehr nach vorne.
"The Raven" und
"Golden Dawn" liefern anschließend solide Dark-Rock-Kost, hinterlassen aber gleichzeitig das Gefühl, bekannte Muster erneut zu hören.
"Graveyard Of Broken Dreams" gehört dann wieder zu den stärkeren Momenten des Albums. Der Song kommt knackiger rüber und hätte gerne noch konsequenter druckvoll bleiben dürfen, obwohl die eher nachdenkliche Ausrichtung natürlich bewusst gewählt wirkt. Die letzten beiden Stücke
"Alkahest II - The Hope" und
"Frozen In Time" liefern zum Abschluss keine großen Überraschungen mehr, fügen sich aber konsequent in die düstere Grundstimmung des Albums ein.
Positiv hervorzuheben ist auf jeden Fall die Atmosphäre, die sich durch große Teile von
"Tales From The Poisoned Apple" zieht.
MELANCHOLOST schaffen es immer wieder, starke melancholische Momente aufzubauen, ohne dabei komplett im Kitsch zu versinken. Vor allem Sven The Axe zeigt gesanglich eine andere Seite als bei
SOLEMNITY und liefert eine angenehm ruhige, teilweise fast hypnotische Performance ab. Auch die Gitarrenarbeit und die düsteren Melodien funktionieren über weite Strecken wirklich gut.
Melancholost -
"Abramelin"
Trotzdem zeigt sich im Verlauf der 66 Minuten auch das größte Problem des Albums. Fünfzehn Songs sind für diese Art von Platte einfach eine Menge Holz, vor allem weil viele Stücke eher ruhig und ähnlich aufgebaut sind. Dadurch verliert das Album mit der Zeit etwas an Wirkung. Weniger Songs und eine kompaktere Spielzeit hätten dem Ganzen wahrscheinlich deutlich mehr Druck und Abwechslung verliehen. Dazu kommt, dass die angekündigten Okkult- und Dark-Rock-Einflüsse zwar thematisch vorhanden sind, musikalisch aber oft deutlich zahmer ausfallen als erwartet. Wer hier düstere Dark-Rock-Vibes im Stil von
VOODOO KISS,
MONO INC. oder
THE 69 EYES erwartet, wird diese Richtung nur vereinzelt finden. Stattdessen setzt
MELANCHOLOST stärker auf melancholische Rockballaden, ruhige Passagen und atmosphärische Songs mit okkulter Symbolik im textlichen Bereich. Das macht
"Tales From The Poisoned Apple" keineswegs schlecht, sorgt aber gleichzeitig dafür, dass sich einige Songs zu ähnlich anfühlen. Mehr vom Gleichen ist eben manchmal auch einfach zu viel des Guten.