Fünf Jahre sind seit dem starken Debüt
"Tales Of Othertime" vergangen und in dieser Zeit hat der Name
STORMKEEP in der Symphonic-Black-Metal-Szene für Aufsehen gesorgt. Während zahlreiche Bands versuchen, die großen Klassiker der 90er zu kopieren, verfolgen die US-Extreme-Metaller aus Colorado ihren eigenen Weg, gepflastert mit Vibes aus mittelalterlicher Mystik, epischem Storytelling, frostiger Atmosphäre und einer Welt voller Burgen, uralter Magie, vergessener Legenden und düsterer Fantasie. Mit
"The Nocturnes Of Iswylm" öffnet die Sturmfeste erneut ihre Tore. Die Band um Otheyn Vermithrax (Vocals, Guitar, Keyboards, Drums), Apokteino (Guitar), Nebula Husk (Bass) und Lord Dahthar (Keyboards) lädt zu sieben neuen Kapiteln aus der Welt von Iswylm ein. Sieben neue Kapitel warten darauf, entdeckt zu werden, und die Erwartungen sind nach dem hochgelobten Vorgänger entsprechend hoch. Die große Frage lautet natürlich: Können
STORMKEEP die Qualität des Erstlingswerkes halten oder sogar noch einen Schritt weitergehen?
Schon die ersten Sekunden von
"The Taste Of Immortal Blood" machen deutlich, dass die Amerikaner nichts von ihrer Stärke eingebüßt haben. Klangvolle Symphonik eröffnet die Reise, ehe sich die Spannung in räudigem Black Metal entlädt und die Richtung des Albums vorgibt. Die Gitarren sägen sich durch die frostige Klanglandschaft, während die Keyboards für jene majestätische Atmosphäre sorgen, die
STORMKEEP mittlerweile auszeichnet. Für mich gehört der Opener direkt zu den stärksten Momenten der gesamten Platte. Mit
"The Black Dragons Of Iswylm" werden die Zügel noch etwas straffer angezogen, hier ist der rohe Black-Metal-Anteil hoch, während orchestrale Akzente die düstere Atmosphäre aus Krieg, dämonischen Kreaturen und kosmischer Dunkelheit zusätzlich verstärken. Trotz aller Härte verlieren
STORMKEEP dabei nie ihr Gespür für Melodie und große Momente.
STORMKEEP -
"Imperious Sanguine Eroticism" (OFFICIAL VISUALIZER)
"Saccharine Subjugation" glänzt mit okkulten Gesängen und einer bedrückenden Stimmung, die sich tief in die Gehörgänge frisst. Die düstere Aura setzt sich auch in
"Imperious Sanguine Eroticism" fort, das wie ein weiterer Schritt tiefer hinein in die Schattenwelt von Iswylm wirkt. Gerade hier zeigt sich, wie gut die Band mittlerweile darin geworden ist, Atmosphäre aufzubauen und über mehrere Minuten aufrechtzuerhalten.
Nach diesen finsteren Exkursionen kehrt
"Echoes In The Vasts Of Sequestration" wieder stärker zum druckvollen Black Metal zurück. Die Nummer lebt von ihrem Vorwärtsdrang und verbindet Aggression mit jener epischen Grundstimmung, die sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album zieht. Mit
"Carnal Tapestries Of Nailtorn Flesh" folgt die erste Vorab-Single der Platte. Hier vereinen
STORMKEEP noch einmal viele ihrer Stärken: kunstvolle Melodien, geschärfte Aggression und ein Songwriting, das trotz aller Komplexität jederzeit nachvollziehbar bleibt. Das große Highlight wartet für mich allerdings ganz am Ende.
"Ballad Of A Fallen Star" ist nicht nur der melodisch stärkste Song des Albums, sondern auch ein würdiges Finale für diese Reise durch die Welt von Iswylm. Die Nummer verbindet majestätische Atmosphäre, starke Melodien und jene melancholische Erhabenheit, die lange nach dem letzten Ton im Kopf bleibt. Ein herausragender Abschluss einer ohnehin sehr starken Platte.
STORMKEEP -
"Carnal Tapestries of Nailtorn Flesh"
Auch produktionstechnisch gibt es kaum Anlass zur Kritik.
"The Nocturnes Of Iswylm" klingt druckvoll, wuchtig und atmosphärisch, ohne dabei den rauen Charakter des Black Metal zu verlieren. Die Symphonik wird gezielt eingesetzt und wirkt niemals überladen oder künstlich. Stattdessen entsteht genau jene Balance zwischen Härte und Atmosphäre, die für dieses Genre so wichtig ist. Musikalisch bewegen sich
STORMKEEP irgendwo zwischen der majestätischen Größe von
EMPEROR und der orchestralen Wucht von
DIMMU BORGIR. Ganz an die Klasse des aktuellen
DIMMU BORGIR-Meisterwerks
"Grand Serpent Rising" reicht
"The Nocturnes Of Iswylm" zwar noch nicht heran, muss es auch nicht, bewegt sich aber bereits auf einem Niveau, von dem viele Genre-Kollegen nur träumen können.
STORMKEEP liefern mit
"The Nocturnes Of Iswylm" ein verdammt starkes Zweitwerk ab und für mich ist das Album schon jetzt ein heißer Kandidat auf den Titel Album des Jahres im Genre und ein weiterer Beweis dafür, dass
STORMKEEP definitiv ins vordere Drittel des modernen symphonischen Black Metal kommen werden.