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9.0
Megadeth waren eine meiner allerersten Metal-Lieben und diese große Zuneigung hat sich in den fast 40 Jahren danach nie geändert. Weil Dave Mustaine über all die Jahrzehnte fast immer geliefert hat, weil Megadeth immer Megadeth geblieben sind ohne sich zu verbiegen und weil sie einfach vollkommen unverkennbar waren, sind und ewig bleiben werden.
Natürlich werden "Piece Sells, But Who’s Buying?" (zum Classic), "So Far, So Good, So What!" und das geniale "Rust In Peace" (zum Classic) auf Immer und Ewig unerreicht eine der besten Speed-/Thrash Metal Alben aller Zeiten bleiben und meine Hormone bis ins hohe Alter ungebremst in Wallung bringen. Natürlich werden auch "Symphony Of Destruction", "Youthanasia" und "Cryptic Writings" auf Ewig an der 10-Punkte Marke kratzen und als unantastbare Meilensteine vom Heavy Metal Firmament schimmern. Daran besteht kein Zweifel und allein für die erste, knappe Dekade hätten sich Megadeth ihren Logenplatz in der obersten Zimmerkategorie der Ruhmeshalle auf ewig gesichert. Weil Dave Mustaine nach einer kurzen Durststrecke um den Jahrtausendwechsel aber wieder konstant bärenstark und authentisch geliefert hat, ist die MegaDaveMania letztlich (anders wie bei manch anderen frühen Liebschaften) nie abgeklungen. Gerade die Alben seit dem großartigen "United Abominations" (zum Review) waren allesamt bockstark, teilweise frenetisch wie "Dystopia" (zum Review) und in Form von "Endgame" (zum Review) sogar wieder absolut meisterlich und nah wie nie zuvor den eigenen Meisterwerken. "Megadeth" soll nun also wirklich das Abschiedsalbum sein. Schade, zumal gerade der Vorgänger "The Sick, The Dying... And The Dead!" (zum Review) unfassbar gut war und keinerlei Altersmüdigkeit oder Schwäche erkennen hat lassen. Man muss es aber nehmen, wie es kommt und was da gekommen ist, ist aller Ehren wert und mehr als nur Grund zum Feiern. "Megadeth" ist beinahe "Best Of All Worlds". Das geniale und unverkennbare Flitzefinger-Geschredder und Riffing der Frühphase, die kompakt griffigen Grooves und Rhythmen, herausragende Soli und die melodiösen Harmonien und catchy Refrains der zweiten Phase, gipfeln in zehn ausnahmslos guten Megadeth-Songs. Das Requiem klingt souverän, homogen und ungezwungen und gipfelt in einer sensationell schmackhaften Schnittmenge der 90er Jahre Alben. Dass Dave dieser stilsicheren Abschiedsmesse mit seiner eigenen Interpretation von "Ride The Lightning" als Bonus Track standesgemäß und wohlverdient den güldenen Deckel auf den goldenen Topf seiner Karriere setzt, ist hier bedingungslos ehrenwert und stilsicher. Das schlichte, stilsicher weiße Artwork gibt Vic Rattlehead die letzte Bühne, die superbe Produktion der Kunst den perfekten Rahmen für den letzten Akt. Ein großartiger Einstieg ist mit "Tipping Point" garantiert, das in Hochglanzoptik und mit saugeilen Riffs und Soli die herausragende Speed Metal Frühphase der Band zitiert, bevor das punkig coole "I Don’t Care" mit seinem Skater-Video und Angry-Dave-Text zwischen den Zeilen an den jugendlichen Charme der 80er Jahre-US-Thrash-Szene erinnert. Cool, rotzig, treffsicher, klasse! Der Sound ist wie selbstverständlich genial, die Hooks sitzen und die Soli und Melodien treffen ins Schwarze. Dazu klingt Dave stimmlich astrein und unverkennbar grantig wie immer. "Megadeth" ist Megadeth durch und durch! Knackig, technisch versiert und dennoch melodisch! Eine zeitlebens herausragende Band am Ende ihrer Reise in absoluter Topform. "Hey God?!" liefert im pfundigen Midtempo und erinnert in seiner harmonischen Gelassenheit samt super Solo deutlich an "Youthanasia" und auch das rasante "Let There Be Shred" kommt im Albumkontext richtig geil rüber und besticht sowohl durch seine Speed Metal Akzente, seine Klasse und die coolen Lyrics. "At the end of it all, they are left in my wake One-by-one they'd fall, one-by-one they'd break On the day I was born, a guitar in my hands The earth started rumbling a thunderous command To bash and to thrash, to bang my head To smash my guitar and Let There Be Shred!" Selbstzitate an allen Ecken und Enden. Dave lässt die Dawn-Patrol hinter sich, zieht bei seiner Sunset-Session nochmals alle Register und liefert! "Puppet Parade", das hymnische "Obey The Call" mit seinem rasenden Finale und das atmosphärisch groovende "Another Bad Day" sind dann die maximalen "Symphony Of Destruction/Youthanasia"-Songs, mit leichter "Cryptic Writings"-Tendenz bei den catchy Refrains. Keinesfalls zu soft, sondern einfach nur gute, melodisch treffsichere Megadeth-Kost, der nie der Blick auf die knackige Gitarrenarbeit und großartige, dichte Soundkulisse fehlt. Gerade diese Dichte und der so perfekt produzierte Gitarrensound sind auch der Trumpf von "Made To Kill", das von Beginn an mitnimmt, bevor es in einem herrlichen Speed Metal Banger mit tollen Soli gipfelt. Der nächste Klassesong einer absoluten Klassescheibe. Mehr konnte man sich nicht erwarten und nie erhoffen. Die 17. Megadeth-Platte reiht sich definitiv in die vorderen Ränge der Diskografie ein und bietet jedem, der diese Band jemals geliebt hat, ausreichend große Kost. "I Am War" ist der nächste Hit, der auch Anfang der 90er einen sicheren MTV-Knaller abgegeben hätte und ebenso wie die gesamte Scheibe technisch, musikalisch und in Sachen Songwriting ist es ein kleines Meisterwerk, vor dem sich alle alten Weggefährten und Fans gleichermaßen tief verneigen werden, wie alle jungen Nachahmer daran zerbrechen müssen. Besser treffsicherer und dichter als Megadeth hat keine Band der Big Four in den letzten drei Dekaden geklungen und geliefert. Auf seinem letzten Akt klingt Dave Mustaine nun beinahe so gut, wie in seligen Frühzeiten. Ungeheuer tight und beinahe makellos und mit einem state-of-the-art-Weltklasse-Gitarrensound, so wie es für einen der begnadetsten seiner Zunft gehört. Dazu zeigt er sich hit- und treffsicher, wie beinahe zu den besten Zeiten, trifft mit seinen Songs beinahe punktgenau ins Schwarze und in mitten in die Herzen der Fans. Für mein Empfinden klingt "Megadeth" vielleicht auch dadurch geradezu versöhnt und der Meister mit sich und der Welt letztlich zufrieden. Was will man mehr! Megadeth treten mit einem großartigen Album ab und Dave mit einem letzten Kapitel, das ihn mehr als zufrieden stimmen kann. Wenn dieses selbstbetitelte Werk nun die letzte Kunst sein soll, dann ist es eine gelungene Retrospektive und ein wunderbares Schlusspunkt für ein grandioses, so unfassbar großes Vermächtnis. "So here's my last will My final testament, my sneer I came, I ruled, now I disappear!" Diese finale Textzeile vom herrlichen "Last Note" ist dann letztendlich ebenso retrospektiv souveräne und überlegen, wie auch typisch Dave Mustaine und rührt zumindest mich, der diese Bands auf immer und ewig seit der Pubertät verehrt und viele, viele schöne Momente mit ihre verbindet, zur ein oder anderen wehmütigen Träne und (m)einem letzten Dank: "Dear Dave Thanks for being Megadave and thanks for creating genius Megadeth-music. Thank you for everything and I bow very, very deeply to one of my greatest heroes. Thanks for all Mr. Mustaine There’s No Need To Be Angry Again Bw Tom / Darkscene.at" Trackliste
Mehr von Megadeth
Reviews
10.09.2022: The Sick, the Dying... and the Dead! (Review)02.07.2018: Killing Is My Business…The Final Kill (Review) 25.12.2015: Dystopia (Review) 09.06.2013: Super Collider (Review) 30.10.2011: Th1rt3en (Review) 20.09.2010: Rust In Peace Live (Review) 12.09.2009: Endgame (Review) 24.05.2008: Rust In Peace (Classic) 22.06.2007: United Abomination (Review) 23.02.2006: Peace Sells…but Who’s Buying (Classic) 24.09.2004: The System Has Failed (Review) News
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15.06: Megadeth, Anthrax @ Halle 622, Zürich16.06: Megadeth @ Gasometer (Bank Austria Halle), Wien Interviews
02.02.2002: Wir machen wieder was wir wollen! |
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